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Datum: 16.11.2021

Steinheim-Institut in Steinheim

Am Dienstag, den 09.11.21 begrüßten Nobert Bräkling und Dr. Heike Sternberg-el Hotabi vom Stadtarchiv Steinheim im Namen der Stadt Steinheim zwei Mitarbeiterinnen des Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte Essen, die zur wissenschaftlichen Erforschung des jüdischen Friedhofs in Steinheim gekommen waren.

Das Foto zeigt Frau Martin beim Fotografieren eines jüdischen Grabsteins.
Frau Anna Martin beim Fotografieren eines jüdischen Grabsteines.

Die Judaistin Anna Martin und die Neuzeithistorikerin Dr. Cordula Lisser nahmen die 139 heute noch vorhandenen Grabsteine fotographisch auf und schrieben die hebräischen Inschriften ab. Das Projekt ist im Rahmen der EU-Initiative „Entwicklung im ländlichen Raum“ angesiedelt und hat die religions- und kulturhistorische Erforschung von aktuell 27 kleineren jüdischen Friedhöfen im Kreis Höxter zum Ziel. Die vor Ort aufgenommenen Inschriften werden in eine Datenbank eingepflegt, welche für die Öffentlichkeit auf der Homepage des Instituts aufgerufen werden kann. Kooperationspartner des Projekts ist die LWL Kulturstiftung Münster.

Die wissenschaftliche Erforschung beschränkt sich aber nicht nur auf die dokumentarische Aufnahme der Grabsteine, sondern möchte vielmehr auch die Biographien der hier bestatteten Familien näher beleuchten: Wie waren etwa die jüdischen Mitbürger in das lokale gesellschaftliche Leben eingebunden, wie waren sie untereinander vernetzt und wie gestaltete sich die Heiratspolitik, dieses sind nur einige der Fragen. Zur Beantwortung dieser Fragen arbeiten beide Wissenschaftlerinnen eng mit lokalen Heimatforschern zusammen. So bot sich ihnen am darauffolgenden Mittwoch die Möglichkeit, in einer mehrstündigen Sitzung den wohl besten Kenner der jüdischen Geschichte Steinheims als Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen: Johannes Waldhoff.

Dieser konnte durch seine akribischen Arbeiten zur Geschichte der Juden in Steinheim Frau Martin hilfreiche Materialien zur Auswertung der Grabsteininschriften weitergeben.

Warum gibt es einen Steinheimplatz in Hamburg?

Die Verbindung des Namengebers des Essener Instituts mit der Stadt Steinheim ist nicht zufällig. Salomon Ludwig Steinheim (geb. am 1.8.1789) war ein Mediziner und jüdischer Religionsphilosoph gewesen, der ab 1813 auch in Steinheim als Arzt praktizierte. Nach der Rückkehr in seinen nahegelegenen Geburtsort Bruchhausen wurde er zur Unterscheidung anderer Familienmitglieder gleichen Namens als „der Steinheimer“ bezeichnet. So entstand der Name „Salomon Ludwig Steinheim“.

Später ging er als Arzt nach Hanburg-Altona, wo man ihm zu Ehren eine Straße als "Steinheimplatz" benannte.